Entscheidung Gabriels zum AKW Biblis A begrüßt

Die Entscheidung des Bundesumweltministers, die von RWE beantragte Strommengenübertragung auf das marode AKW Biblis A abzulehnen, stößt bei AtomkraftgegnerInnen aus Südwestdeutschland auf Zustimmung. Aufforderung an Minister Gabriel, auch die als „Notnagel“ zusätzlich beantragte Stromkontingentübertragung vom AKW Lingen abzulehnen und zusätzlich die Wiederinbetriebnahme der beiden Blöcke A und B zu untersagen.

Die Geschichte des AKW Biblis lasse sich nur unter der Überschrift „Pleiten, Pech und Pannen“ sinnvoll zusammenfassen, so eine Sprecherin der südwestdeutschen anti-atom-Initiativen.
’· 1987 entwich durch ein offenes Ventil im Block Biblis A 15 Stunden lang radioaktiver Dampf. RWE vertuschte den Störfall, erst nach einem Jahr wurde er zufällig durch eine Veröffentlichung in den USA bekannt.
’· Am 8. Februar 2004 kam es in Biblis B zum gefürchteten Notstromfall. Im Atomkraftwerk versagten reihenweise die Stromversorgungssysteme und die Notstromversorgung. Zum Glück sprangen die als letzte Reserve vorgesehenen Notstromdiesel an und versorgten die Sicherheitseinrichtungen mit Strom. Am 19. August 2003 hatten in Biblis B bei einem Test die Notstromaggregate versagt. Hätten diese am 8. Februar 2004 wieder versagt, dann wäre es mit großer Wahrscheinlichkeit zum Super-GAU gekommen.
’· Fast täglich werden kleinere Störfälle wie der Austritt von radioaktiver Flüssigkeit, Undichtigkeiten an Ventilen und andere technische Defekte gemeldet.

„Dass bei einem solchen Kraftwerk der Weiterbetrieb – wie von RWE in einer aktuellen Pressemitteilung behauptet – „sicherheitstechnisch voll verantwortbar“ ist, ist angesichts der Chronologie der Störfälle ein schlechter Witz“, betonen die AtomkraftgegnerInnen. „Nachrüstmaßnahmen machen aus einer Rostlaube keinen Neuwagen – das ist bei AKWs nicht anders als bei Autos“, so die Sprecherin weiter. „Da das AKW Biblis sicherheitstechnisch deutlich schlechter abschneidet als das AKW Lingen, von dem RWE jetzt statt dessen Strommengen übertragen möchte, fordern wir Bundesumweltminister Gabriel auf, auch den entsprechenden „Hilfsantrag“ von RWE abzulehnen und zusätzlich die Wiederinbetriebnahme der beiden AKW-Blöcke Biblis A und B zu untersagen.“

Das AKW Biblis weist ein in sicherheitstechnischer Sicht schweres Manko auf, denn eine unabhängige Notstandswarte, von der aus bei schweren Störfällen jeder Kraftwerksblock unabhängig gesteuert werden kann, fehlt. Die eigentlich schon vor Jahren von der Atomaufsicht geforderte, millionenteure Nachrüstung einer unabhängigen Notstandswarte wurde dem Betreiber RWE nur erlassen, weil die Restlaufzeit der AKW-Blöcke durch den Atomkonsens begrenzt wurde.

Die Stromerzeugung aus regenerativen Energien ist in den Jahren 2000 bis 2006 so stark gestiegen, dass damit die gesamte Stromerzeugungskapazität aller bis ins Jahr 2012 stillzulegenden deutschen AKW kompensiert wird. Auch deshalb haben die deutschen Kraftwerke im vergangenen Jahr etwa 20 Milliarden Kilowattstunden Stromüberschuss erzeugt. Das entspricht exakt der Menge, die von den AKW Biblis A, Neckarwestheim und Brunsbüttel zusammen produziert wird.

„Auch ohne das AKW Biblis gehen die Lichter nicht aus. Statt noch Millionen von Euro in die Nachrüstung ordentlicher Dübel zu stecken, sollte RWE lieber von sich aus auf die Wiederinbetriebnahme der beiden Blöcke Biblis A und Biblis B gänzlich verzichten“, schlagen die südwestdeutschen anti-atom-Initiativen vor.

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